Anders machen!
Die Auseinandersetzung mit rassistischem Sprachgebrauch muss immer einhergehen mit einer Reflektion und Kontextualisierung innerhalb gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Die Inhalte und Konzepte zu überdenken, die bestimmte Wörter transportieren, sowie die Verletzungen und die Gewalt, die mit Sprache ausgeübt werden kann, einzugestehen, sind ein erster entscheidender Schritt in diese Richtung. Dabei ist es wichtig sich bewusst zu machen, aus welchem Kontext die benutzten Worte stammen, wie sie gegenwärtig verwendet werden, wen sie bezeichnen und welche Konnotationen sie aufrufen. Ein nächster Schritt ist dann Wörter mit rassistischem Gehalt und kolonialem Hintergrund konsequent zu ersetzen. Aber auch hier ist es nicht sinnvoll, Wörter einfach nur auszutauschen, ihren Inhalt aber beizubehalten, ohne dass dabei die Konzepte, die sie transportieren, verändert werden. Vielmehr muss parallel zur Ersetzung eines Wortes eine breite öffentliche und kritische Auseinandersetzung mit dessen Konnotationen angeregt und geführt werden.
Eine Möglichkeit der Ersetzung ist z.B. Selbstbenennungen zu verwenden, die von den Bezeichneten selbst gebraucht werden und innerhalb politischer Emanzipationsbewegungen konzipiert wurden. Selbstbenennungen wurden von Menschen, die von Rassismus diskriminiert werden, unter großem Energie- und Kraftaufwand entworfen und sollen einerseits auf Rassismus als Machtstruktur aufmerksam und anderseits rassistisch Diskriminierte als gesellschaftliche Gruppe sichtbar machen. Beispiele hierfür sind die Begriffe „Schwarze Deutsche“ oder „Afrodeutsche“. Die Verwendung von Selbstbezeichnungen funktioniert aber für weiße Menschen dann nicht, wenn Worte mit rassistischem Sprachgehalt von der bezeichneten Gruppe angeeignet und umgedeutet werden. Diese Umdeutung wird und kann bei jeder einzelnen Verwendung des Wortes nur von den Bezeichneten selbst unternommen werden. Verwenden Weiße dieselben Begriffe bleiben die rassistischen Konnotationen erhalten, wodurch die Gewalt und Verletzung der Worte erneut stattfindet. Da Weiße unabhängig von ihrer jeweiligen individuellen Intention politisch und gesellschaftlich AkteurInnen von Rassismus sind, befinden sie sich nicht in der Position rassistische Begriffe einfach umzudeuten.
Eine andere Strategie in der Auseinandersetzung mit rassistischem Sprachgebrauch sind sprachliche Irritationen zu schaffen, die mit bestimmten Sprachnormen brechen. Ein Beispiel dafür sind z.B. die Verwendung bestimmter rassistischer Begriffe in Anführungszeichen und/oder die Beschränkung auf den Anfangsbuchstaben (z.B. „M-Strasse“/“M-Wort“...). Aber auch die Groß- bzw. Kleinschreibung oder das Kursivschreiben bestimmter Begriffe kann der sprachlichen Irritation dienen und dadurch Sprache reflektieren und Rassismus sichtbar machen. Beispiele hier sind die Großschreibung des Wortes Schwarz in adjektiver Stellung, wie z.B. in „Schwarze Deutsche“. Durch die Schreibung wird deutlich, dass es sich bei Schwarzen und Weißen nicht um biologisch klassifizierbare, sondern um politische Gruppen handelt, die durch Rassismus konstruiert werden. Außerdem soll durch die Großschreibung des Adjektives Schwarz der Widerstand der bezeichneten Gruppe gegen Rassismus deutlich gemacht werden. Dagegen entwirft die Klein- und Kursivschreibung des Adjektivs „weiß“ diese zwar ebenfalls als politisches Konstrukt, verortet Weiße aber nicht auf die Seite des Widerstandes. Es markiert sie stattdessen als AkteurInnen rassistischer Handlungen. Durch diese Schreibung wird Weißen zugleich sprachlich und symbolisch die Definitionsmacht entzogen.
In jedem Fall muss, wie bereits gesagt, eine Verwendung alternativer Begriffe und/oder Selbstbezeichnungen immer mit einer kritischen Auseinandersetzung mit den zu ersetzenden rassistischen Worten und Inhalten einhergehen.
