Verschweigen

Schweigen ist eine mögliche Anwehrreaktion. Schweigen bedeutet dabei, sich selbst nicht zu positionieren. Wenn eine rassistische Handlung oder rassistisches Sprechen geschieht, haben Weiße die Möglichkeit, sich durch Schweigen in die weiße unsichtbare Masse zurückzuziehen.
Auch (bewusst) das Thema zu wechseln, wenn die Sprache auf Rassismus oder die eigene privilegierte Position fällt, ist eine Form, Rassismus zu verschweigen. Zwei Möglichkeiten der Dethematisierung von Weißsein gibt es: entweder wird ein ganz anderes Thema gesucht, das aus weißer Perspektive möglichst wenig mit Rassismus zu tun hat, oder Rassismus wird als Problem von Schwarzen begriffen und es wird über Nicht-Weiße statt über sich selbst gesprochen.
Eine besondere Form des Themenwechsels ist es Alibi-Diskurse zu führen. In Deutschland ist auffällig, dass hauptsächlich von „Ausländer-“ bzw. „Fremdenfreindlichkeit“ statt von Rassismus gesprochen wird. So wird Rassismus zu einem Problem, in dem es nur um Staatsbürgerschaft geht, oder zu einem psychologischen Phänomen der Ablehnung alles „Fremden“. Aber auch die Diskussion um political correctness oder Diskurse um Schuld sind Alibi-Diskurse, in denen von eigener Verantwortlichkeit und der Komplexität von Rassismus abgelenkt wird.
Selbst wenn das Thema oder der Fokus nicht gewechselt wird, gibt es immer noch Möglichkeiten, sich von der Thematik durch die Art des Sprechens zu distanzieren. Durch Passiv-Konstruktionen müssen Weiße nicht nach den Verursachern von Rassismus fragen. Und durch abstrakte, theoretische Abhandlungen kann Weißsein weit vom eigenen Alltag entfernt werden.