Universalisierung

„Wir sind doch alle gleich.“

Bei dieser Abwehrstrategie setzen Weiße Gleichheit als oberstes Ziel bzw. als bereits verwirklicht der Thematisierung von Differenzen entgegen. Während es schlecht ist, von Unterschieden zu sprechen, ist das Betonen von Gleichheit gut. Bei dieser Abwehr bleiben allerdings rassistische Strukturen und Machtverhältnisse unbenannt und werden reproduziert. Weißsein wird nicht zwangsläufig mit rassistischer Dominanz in Zusammenhang gebracht, sonder Weiße gelten, solange sie nicht intendiert rassistisch handeln, als unschuldig. Rassismus wird so zu einer Frage von Absicht sowie Schuld und Unschuld. Ungleichheit wird essentialisiert und als Charakteristikum der „Anderen“ aufgefasst. Diese Strategie wird oft als Color-Blindness bezeichnet. Ruth Frankenberg spricht von Color- und Power-Evasiveness, um darauf hinzuweisen, dass es sehr wohl ein Bewusstsein über die Unterschiede gibt, die aber absichtlich ausgeblendet werden.
In dieser Konstruktion, dass wir alle gleich sind, geht es auch darum, dass wir alle irgendwie Opfer sind. Wir werden alle durch irgendein Machtverhältnis benachteiligt und sind dadurch alle gleich. Dabei wird allerdings die Spezifik einzelner Machtverhältnisse ausgeblendet und die eigene Dominanz und die eigenen Privilegien, die eigenen Beiträge zur Aufrechterhaltung von Rassismus und anderen Machtverhältnissen nicht ins Blickfeld gerückt. In der extremsten Form behaupten Weiße dann auch schon Opfer von Rassismus geworden zu sein, wenn sie z.B. in einem Land mit nicht-weißer Mehrheit aufgefallen sind oder durch Quotenregelungen benachteiligt wurden.
Vor allem im wissenschaftlichen Bereich aber auch außerhalb dessen schlägt sich die Vorstellung von Gleichheit in einem Universalismus nieder.