Selbstviktimisierung

Sich selbst zum Opfer machen

Wenn sich Weiße doch mit Rassismus und ihrem eigenen Weißsein auseinandersetzen, dann finden trotzdem weiterhin vielzählige Abwehrstrategien statt. Neben den anderen beschriebenen kommt eine spezielle Abwehrform mit dazu.
In der Auseinandersetzung mit Weißsein gibt es immer wieder die Tendenz, in eine Art Selbsterfahrung und Selbstbeweihräucherung zu rutschen. Weiße bestärken sich immer wieder gegenseitig darin, wie schwer es ist, sich mit Weißsein auseinanderzusetzen und welch harte Schritte sie auf sich nehmen. Oft geht dabei die Relationalität zu dem gewaltvollen Machtverhältnis Rassismus verloren.
Weiße neigen dann dazu, sich selbst in der Rolle der/s rassistisch Diskriminierten zu fühlen. Bildungsarbeitskonzepte wie Anti-Bias oder Blue Eyed unterstützen diesen Ansatz, dass Rassismus nur über das Einfühlen in die Diskriminierung verstanden werden kann. Privilegierung und Dominanz werden in solchen Vorstellungen konsequent ausgeblendet.
Eine eigene Distanzierung kann auch über das Abgeben der Verantwortung an People of Color geschehen. Aus der Annahme heraus, als Weiße keine Aussagen über Rassismus treffen zu können, wird ein Sprechen darüber verweigert und auf Schwarze Stimmen verwiesen. Damit wird sich aber gleichzeitig jeglicher Kritik entzogen und keine Verantwortung übernommen. Es muss vielmehr zwischen einem repräsentativen Sprechen über Opfer von Rassismus und einem Sprechen über Rassismus aus der eigenen weißen Perspektive heraus unterschieden werden.