Rassistische Benennung
Durch Benennungen werden Dinge, Gruppen, einzelne Subjekte und Sachverhalte in Worte gefasst, geordnet und dadurch erst sichtbar gemacht[1]. Ein Name transportiert seine eigene umfassende Geschichte und schreibt gleichzeitig das Benannte fest[2]. Dieser machtvolle Prozess der Anrufung kann gewaltvoll und verletzend wirken, wenn er aus einer hegemonialen Position heraus vollzogen wird und als Fremdbezeichnung wirkt. Auf diese Weise werden gesellschaftliche Traumata, wie das des Kolonialismus, weiter getragen. Kolonialismus wird von Schwarzen/People of Color dann nicht einfach erinnert, sondern in der jeweiligen Situation erneut durchlebt[3]. Rassistische Benennungen versuchen, die Angesprochenen ihrer Selbstkontrolle zu berauben und weisen ihnen einen Ort zu, der in der kolonialen Vergangenheit liegt. Durch die Anrede wird diese Geschichte neu inszeniert und werden rassistische Rollenverteilungen in der Gesellschaft gesichert. Dabei würden nach Grada Kilomba kollektiv erinnerte, machtvolle Bilder und Hierarchien wieder belebt, die der historischen Erfahrung der gelynchten und gefolterten Kolonisierten gleichen[4]. Frantz Fanon beschreibt diese Erfahrung:
„I was responsible at the same time for my body, for my race, for my ancestors. I subjected myself to an objective examination; I discovered my blackness, my ethic characteristics; and I was battered down by tom-toms, cannibalism, intellectual difiency, fetishism, racial defects, slave-ships, and above all, above all: ‘Sho ‘good eatin’.’ ”[5]
Der den Angesprochenen durch die rassistische Anrede zugewiesene koloniale Ort ist somit eine Form des Alltagsrassismus und des durch Weiße an Schwarzen/People of Color verübten täglichen Terrors.
[1] Susan Arndt, Antje Hornscheidt : Afrika und die deutsche Sprache, 2004, Münster, S. 7.
[2] Judith Butler : Einleitung. Wie Sprache verletzen kann, in: dies.: Haß spricht Zur Politik des Performativen, 1997, New York, S. 9-65, S. 56.
[3] Grada Kilomba : ‘Dont’t call me ‘Neger’!’ – Das N-Wort, Trauma und Rassismus, in: ADB; cbN (Hg.): TheBlackBook Deutschlands Häutungen, Frankfurt a.M., 2004, S. 173-182, S. 174/175.
[4] Kilomba, 2004, S. 178.
[5] Frantz Fanon : The Fact of Blackness, in: ders.: Black Skin White Masks, New York, 1968, S. 109-140; S. 112.
