Sprache & Kolonialismus
Die deutsche Kolonialgeschichte und die deutsche Sprache sind eng miteinander verwoben. Sprache war (und ist) ein wichtiges Medium zur Herstellung und Vermittlung kolonialistischer Rechtfertigungsmythen. Sie diente dabei u.a. dem Selbstentwurf Europas/Deutschlands als „zivilisiert“, „fortschrittlich“ und „modern“[1].
Weiße erfanden dazu neue Begriffe zur Bezeichnung Afrikas. Dabei wurden einerseits die verschiedenen afrikanischen Selbstbezeichnungen nicht anerkannt. Andererseits wurde der Kontinent als homogener Ort entworfen. Aus dem deutschen Sprachgebrauch selbst wurden ausschließlich negativ bewertete Begriffe übertragen oder es wurden Begriffe verwendet, die den afrikanischen Kontext mit einer früheren Epoche deutscher Geschichte gleichsetzten und so abwerteten[2]. Z.B. wird und wurde zur Beschreibung von afrikanischen Bevölkerungsgruppen oft das Wort „Stamm“ verwendet, welches an die Bezeichnung „germanische Stämme“ angelehnt ist.
Die so hergestellten rassistischen Begrifflichkeiten und Konzepte wurden v.a. durch die deutsche Literatur, Philosophie und die Medien verbreitet. So entstand z.B. in Form von Reiseromanen und Zeitungsberichten eine deutsche Kolonialkultur, in der diese Vorstellungen umfassend entworfen werden konnten. Rassistische Sichtweisen wurden so in Worte gefasst und zugänglich gemacht. Dadurch sollte die grausame und gewaltvolle Unterordnung und Missionierung kolonialer Gebiete und der dort lebenden Menschen gerechtfertigt werden.
Die deutsche Literatur und die Philosophie der Aufklärung, sowie der in dieser Zeit entwickelte Sprachgebrauch lieferten also die rhetorische Basis für die koloniale Herrschaft Deutschlands. Eine umfassende Auseinandersetzung mit diesen sprachlichen Traditionen und Praxen wurde bisher nicht geführt. So können die damit verknüpften rassistischen Wertesysteme weiterhin fortbestehen und durch die deutsche Sprache verbreitet werden.
[1] Susan Arndt, Antje Hornscheidt : Afrika und die deutsche Sprache, 2004, Münster, S. 18.
[2] Arndt, Hornscheid, 2004, S. 18/19.
