Deklaration
Gemeinsamer Appell afrikanischer Organisationen
An die
BVV Mitte von Berlin
Parochialstr. 1-3
Umbenennung von Straßennamen, die Kolonialverbrechen verherrlichen
Sehr geehrte Bezirksverordnete,
wir begrüßen die gegenwärtige Diskussion um die Umbenennung von Straßen- bzw. UBahnhaltestelle- Namen, die koloniale Verbrechen verherrlichen und/oder Afrikaner diskriminieren und entwürdigen.
Leider ist hundert Jahre danach die Aufarbeitung der grausamen deutschen Kolonialvergangenheit in Politik und Gesellschaft nicht im Gange. Dabei hatte der deutsche Kolonialismus, auch wenn er zeitlich kurz war, eine verheerende Wirkung bei der Bevölkerung Afrikas hinterlassen. Erst hundert Jahre später entschuldigt sich eine deutsche Ministerin für den ersten Völkermord des zwanzigsten Jahrhunderts, der von deutschen
Kolonialtruppen im südlichen Afrika begangen wurde. Noch brutaler, aber weniger bekannt, ist auch die grausame Niederschlagung von Aufständischen in Ostafrika.
Es war auch in Berlin, wo 1884 die berüchtigte Berliner Afrikakonferenz auf Einladung von Bismarck stattfand. Auf dieser Konferenz wurde Afrika wie ein Stück Kuchen unter europäischen Mächten aufgeteilt. Die Auswirkungen dieser Konferenz erlebt der Kontinent heute noch. Viele Grenzkonflikte sind direkte Nachwirkungen dieser Konferenz.
Straßennamen benannt nach kolonialen Verbrechern wie Gustav Nachtigall, Karl Peters,
Adolf Lüderitz etc., aber auch Ortsnamen wie Swakopmund (Ort des ersten Völkermordes) oder wie Kameruner Straße, Kongostraße, Togostraße etc. erinnern an den kolonialen Wahn der deutschen Vergangenheit.
Auch die Mohrenstraße mit ihrer zwielichtigen Geschichte gehört zur Liste der entwürdigenden Straßennamen. Ob nun diese Afrikaner als „geschenkte Sklaven“ an Kaiser Wilhelm I als Beigabe für einen Gebietsaustausch mit den Niederlanden hierher geschleppt worden waren oder, wie anders dargestellt, dass sie freiwillig gekommen sind, um ihre Aufwartung zu machen, sozusagen sich dafür zu bedanken, dass sie von den deutschen kolonialisiert worden sind, ist hier nicht ausschlaggebend. Wichtig ist, wie man heute das Wort „Mohr“ interpretiert, den „Mohr“ als Konstrukt und Projektionsfläche der europäischen Phantasie, die die Afrikaner als dumm, kulturlos, geschichtslos, Diener der Europäer darstellt.
Diese Bezeichnung für eine Straßen- und U-Bahnhaltestelle-Namen lehnen wir entschieden ab. Dies ist entwürdigend und beleidigend für alle Afrikaner bzw. Schwarzen. Dies gilt erst recht für die U-Bahnhaltestelle, die erst 1991 zur „Mohrenstraße“ umbenannt worden ist.
Wir appellieren an die Bezirksverordnetenversammlung, die koloniale Verbrechen verherrlichenden, entwürdigenden und diskriminierenden Straßennamen umzubenennen. Dies gilt sowohl für die „Mohrenstraße“ wie auch für das „Afrikanische Viertel“. Gerade in einer Zeit, wo das Aufkeimen von Rassismus und Überfälle auf Menschen schwarzer Hautfarbe zunehmen, erwarten wir vom Bezirksamt ein positives Signal, diesem Trend entgegenzusetzen, denn Rassismus ist eine direkte Folge von Kolonialismus.
Vergangenheitsbewältigung gilt auch für Kolonialismus. Wir sind bereit, gemeinsam mit den Anwohnern und örtlichen Schulen, den Fraktionen und dem Bezirksamt, die Aufklärungsarbeit mitzutragen und über Kolonialismus, Rassismus und Diskriminierung zu informieren.
Folgende afrikanische bzw. schwarze Organisationen haben diesen Aufruf unterzeichnet.
1. Afrikanische Fraueninitiative e.V., Berlin
2. Afrikanische Ökumenische Kirche e.V.
3. ADEFRA - Schwarze Frauen in Deutschland e.V.
4. ASU - Afrikanische Studenten Union
5. Angolanische Antimilitaristische Menschenrechtinitiative
6. Association des Guinéens de Berlin (Guinea)
7. CO.CO.BE e.V., Berlin (Kongo)
8. Djeli Association e.V. (Djeli Afro Magazin Berlin)
9. Ghana Community e.V.
10. Global Afrikan Congress
11. ISD Berlin (Initiative Schwarze Menschen Deutschland e.V.
12. Mama Afrika e.V.
13. Monarda e.V. (Mosambik)
14. Nigeria Community
15. Oromo Horn von Afrika Zentrum (Äthiopien)
16. Panafrikanisches Forum e.V.,
17. Refugees Emancipation e.V.
18. Sudanklub e.V., Berlin
19. Sunugaal e.V. (Senegal)
20. Uganda Community
Kontakt:
Judy Gummich : Global Afrikan Congress
jgum@gmx.net,
Yonas Endrias, Tel:0179-9404690
EndriasY@aol.com,