Sprache & Rassismus
Sprache entwirft Bilder von Wirklichkeit und hält Machtstrukturen, wie z.B. Rassismus, aufrecht[1]. Sie kann insofern als eine Handlung begriffen werden.[2] Sprache hat also Wirkungen, die über den Moment der Äußerung hinausgehen. Sie kann so ein Macht- und Gewaltmittel sein und selbst verletzen[3].
Diese Gewalt wird durch Fremdbezeichnungen ausgeübt, wenn z.B. abwertende Begriffe aus dem kolonialen Kontext von Weißen auch heute noch verwendet werden, um Menschen zu beschreiben. Solche Begriffe rufen diese gewaltvolle Geschichte nicht nur wieder auf, sondern schaffen erneut eine rassistische Hierarchie zwischen Sprecher_in und Angesprochenen. Gleichzeitig ist hierbei entscheidend, dass aus einer machtvollen Position gesprochen wird. Diese gibt den Sprechenden die Macht auf weit verbreitete und gesellschaftlich durchgesetzte Fremdbezeichnungen zurückzugreifen[4].
Sprache kann aber auch durch das Verschweigen und die Ignoranz bestimmter Positionen und Sichtweisen verletzen, wenn ich, als Weiße, z.B. von einem ‚Wir’ sprechen, in das ich ausschließlich weiße Menschen einschließe und in dem sich nur diese wiederfinden können. Auch hier wiederholt sich eine Geschichte, die Schwarze/People of Color in eine Position verortet, die am vermeintlich neutralen Menschsein nicht teilhaben darf und ihnen einen Ort zuweist, der keiner ist. Sprache kann also Menschen auf- bzw. abwerten und sie in ein hierarchisches Verhältnis zueinander setzen. Sie belebt so Kontexte von Hass und Verletzung wieder[5].
Die Wirkung von (verletzender) Sprache entzieht sich meiner vollständigen Kontrolle. Es ist mir also nicht möglich mich mit der Aussage ‚Ich habe es doch nicht so gemeint!’ meiner Verantwortung zu entledigen. Sprache ist in Bewegung und eröffnet jedem Menschen einen persönlichen Spielraum. Ich kann mich also aus einer privilegierten Position heraus der Auseinandersetzung verweigern und so gesellschaftliche Machtstrukturen aufrechterhalten[6]. Oder ich kann die Verantwortung für die tatsächlichen rassistischen Wirkungen meines Sprechens wahrnehmen und versuchen meinen Sprachgebrauch zu hinterfragen. Hierbei ist es wichtig zu erfahren, aus welchem Umfeld die verwendeten Begriffe kommen, wie sie bewertet wurden und was sie für Bedeutungen und Assoziationen aufrufen. So kann der individuelle Sprachgebrauch zu einer Form des Widerstandes werden und (bis zu einem gewissen Punkt) als Eingriff in gesellschaftliche Normen wirken[7].
[1] Susan Arndt, Antje Hornscheidt : Afrika und die deutsche Sprache, 2004, Münster, S. 61.
[2] Judith Butler : Einleitung. Wie Sprache verletzen kann, in: dies.: Haß spricht Zur Politik des Performativen, 1997, New York, S. 9-65; S. 18.
[3] Butler, 1997, S. 19.
[4] Anrdt, Hornscheidt, 2004, S. 20.
[5] Butler, 1997, S. 46.
[6] Arndt, Hornscheidt, 2004, S. 30.
[7] Arndt, Hornscheidt, 2004, S. 60.
