Maerchen

Interview 08
(Deutsch-Muttersprachlerin, ca. 60 Jahre)

F: Wir sind vom Institut für Europäische Ethnologie und wir forschen halt zu dem Straßennamen. Mohrenstraße. Sind Sie damit vertraut mit dem Straßennamen?
A: Mit dem Namen bin ich vertraut. Mit der Mohrenstraße, ja.
F: Und wissen Sie, woher der kommt?
A: Nee das weiß ich nicht. Keine Ahnung.
F: Und das Wort? Also das ist ja ein zusammengesetztes Wort und das erste Wort: ‚Mohr’ – wissen Sie da? Haben Sie gar keinen Bezug zu?
A: Zu einem Mohr ja, aus’m Märchen kenn ich den ja, denk ich mal.
F. Sie meinen der ist aus’m Märchenreich, der Name?
A: Denk ich mal. Ja.
F: Und was bezeichnet der Name?
A: Na ich denk mal – Südstaaten.
F: Südstaaten?
A: Ja.
F: Welche Südstaaten?
A: Na hier so Afrika, in diese Richtung. Afrika, ja.
F: Für Personen aus dem …
A: Hier im Struwelpeter. In dem Struwelpeter-Buch müsste so was sein.
F: Aha. Und ähm. Die Bezeichnung war jetzt ähm…
A: (unverständliches) … Neger. In dieser Richtung.
F: Wie war das?
A: Neger.
F: Und ist das ein Wort das Sie benutzen?
A: Nein, nein. Gar nicht. Ich nehm mal an, diese Straße hat ne andre Bedeutung als das mal, was ich jetzt sag. Ja?
F: Also Sie meinen es ist ein altes Wort. Und was hat es heute noch für eine Bewandtnis?
A: Also für mich gar keine. Die Station hieß ja mal anders.
F: Und wie finden Sie das, dass die heute so heißt?
A: Das ist mir eigentlich ziemlich egal. Ja. (lacht) Das ist mir ziemlich egal.
F: Dankeschön.