Eigene Kindheit
Interview 9
Wissen Sie, in welcher Straße Sie sind?
Nee, ich weiß nur, dass ich am Gendarmenmarkt bin. Aber Mohrenstraße ist das, glaub ich.
Ja, genau.
Ja, ja
Und sagt Ihnen der Name irgendwas? Wissen Sie, was er bedeutet?
Nein, nein, nein.
Woher er kommt?
Nein
Gar keine Assoziationen zu?
Nein, nein
Und zu dem Wort selbst? „Mohr“?
Denk ich an farbig oder Neger. Negerkuss oder Mohrenköpfe. (Lachen)
Und wie finden Sie das, dass die Straße heute so heißt?
Hab ich nichts ... äh ... Ach, Sie meinen wegen political correctness, oder so was? Nee, also das fänd ich jetzt dämlich, muss ich ganz ehrlich sagen.
Warum?
Ja, weil es ist auch mal aus ner Zeit geboren, und jetzt ist ne andere Zeit, aber deswegen sollte man nicht alles verändern, was früher war, Ich finde, Geschichte – gerade deswegen lebe ich in dieser Stadt – ist eigentlich super spannend. Und wenn man alles wegmacht und alles auf die Ebene stellt, in der man heute lebt – ja ich weiß nicht – dann fehlt ein Stück.
Und wissen Sie was über den geschichtlichen Hintergrund der Straße?
Nein, nein, nein. Ich interessiere mich im Moment – ich bin 48 geboren – ich bin im Moment auf den Spuren meiner eigenen Kindheit. (lachen) Und das gehört da nicht dazu. (lachen)
Alles klar, Vielen Dank!
Bitte. Tschüß.
Tschüß.
