Erinnerungspraxen
Erinnerungspraxen
Kien Nghi Ha kritisiert besonders die eine Haltung weißer Personen und Institutionen gegenüber der eigenen Kolonialismusgeschichte, die diese verleugnen, relativieren oder beschönigen will. Ein solches Verhalten bezeichnet er als „entthematisieren“. Gleichzeitig verweist er auf die drastischen Auswirkungen, die dieser Umgang auf deutsche Identitätskonzepte hat.
„Durch diese erinnerungspolitische und geschichtsmächtige Weißwaschung der Geschichte wurde eine komfortable Scheinwelt für weiße Metropolen-BewohnerInnen aufgebaut und stabilisiert. Obwohl koloniale Einschreibungen nicht nur die Wirklichkeit der europäischen Moderne prägen, sondern auch für die Ausbildung deutscher Kultur- und Identitätsvorstellungen bis in die Gegenwart hinein fundamental sind, werden sie in der Regel entthematisiert.“[1]
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dDeutsche Kolonialgeschichte und deren Leerstellen sichtbar zu machen, Verleumdung und Schweigen zu brechen und sich mit dem Thema des Kolonialismus auseinanderzusetzen. Da grundlegende Arbeit und hilfreiche Vorschläge dazu innerhalb der Schwarzen deutschen Community entwickelt wurden[p2] , spielt diese hierbei eine entscheidende Rolle.
Die Historikerin Paulette Reed-Anderson gibt mit ihrer Arbeit Chronologie zur Deutschen Kolonialgeschichte ein Beispiel für eine mögliche Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte. Diese Arbeit kann auf den Websites der cybernomads eingesehen werden (www.cybernomads.net; http://www.cybernomads.net/cn/home.cfm?p=1033&CFID=12702114&CFTOKEN=7310...).
Auf dieser Internetseite erhebt Reed-Anderson grundlegende Daten und arbeitet entscheidende Ereignisse auf. Diese Arbeit solle so „(…) zur Veränderung des Geschichtsbildes und zu einer umfassenden Überarbeitung der Kolonialgeschichte beitragen.“[2].
Ein weiteres Beispiel, wie Kolonialgeschichte in kritischer Art und Weise reflektiert, erinnert und sichtbar gemacht werden kann, ist die Gedenktafel des Afrika-Forums. Sie ist in der Wilhelmstrasse am Ort des damaligen „Reichskanzlerpalais“ (Berlin-Mitte) aufgestellt, um an die „Afrikakonferenz“ (1884) zu erinnern. Sie zeigt auf, dass diese Konferenz ein Ort war, an dem Kolonialismus durch die europäischen Staaten institutionell und rechtlich festgeschrieben wurde. Gleichzeitig wird hier an die gewaltvollen Auswirkungen erinnert, die die „Afrikakonferenz“ nach sich zog. ?????
[1] Kien Nghi Ha: Macht(t)raum(a) Berlin – Deutschland als Kolonialgesellschaft., in: Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba u. a. (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland Münster, 2005, S. 105/106.
[2] Paulette Reed-Anderson: ’Ein Platz an der Afrikanischen Sonne’ Deutsche Hegemonie auf dem Afrikanischen Kontinent, in: http://www.cybernomads.net/cn/home.cfm?p=995&CFID=9411187&CFTOKEN=69151432.
[p2]